Spürhunde im Einsatz

März/ April 2017

Im vergangenen Winter hatten wir zwei Artenschutz-Spürhunde in unserem Untersuchungsgebiet im Einsatz. Bereits im Dezember 2016 suchten Christoph Hartl und sein junger Rüde Tane Teile der Söhre und des Kaufunger Waldes nach der Losung von Luchsen ab, im Januar 2017 gingen dann Elena Jeß und ihre Hünden Nara auf die Suche nach Luchskot.

Elena Jeß und Nara im Januar 2017 in der Söhre

Nicht alle Proben, die die beiden Spürnasen in dieser Zeit aufspürten, enthielten genügend genetisches Material (DNA), um eine Artbestimmung oder sogar eine Genotypisierung (also eine Individualisierung anhand eines genetischen Fingerabdrucks) durchzuführen. In immerhin sieben Fällen ergaben die Laboranalysen aber, dass die Proben zweifelsfrei einem Luchs zuzuordnen sind. Drei dieser Proben ließen eine Individualisierung zu und ergaben, dass sie von zwei verschiedenen männlichen Luchsen stammen. Die Laboranalysen wurden im Auftrag der Abteilung Naturschutz des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) vom Fachgebiet Naturschutzgenetik an der Außenstelle der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung in Gelnhausen durchgeführt.

Die Befunde des Spürhunde-Einsatzes passen sehr gut zu unseren im Laufe des Winters gewonnenen Erkenntnissen des Fotofallen-Monitorings. Neben dem uns schon seit zwei Jahren bekannten Kuder Felux tappt seit Oktober regelmäßig ein zweiter Luchs in unsere Fotofallen, dem die Kinder der Burgsitzschule Spangenberg inzwischen den Namen Yuki gegeben haben. Damit weisen sowohl die Fotofallen als auch die Spürhunde derzeit zwei Luchse in unserem Untersuchungsgebiet nach. Ebenfalls passend zur Laboranalyse vermuten wir, dass es sich auch bei Yuki um einen Kuder handelt, da er sein Streifgebiet im Süden unseres Untersuchungsgebietes etabliert hat, deutlich außerhalb des Streifgebietes des Kuders Felux. Luchse sind territoriale Tiere, die abgesehen von ihren abhängigen Nachkommen keine gleichgeschlechtlichen Artgenossen innerhalb ihrer Streifgebiete dulden.

Yuki, aufgenommen am 01.01.2017 in der Nähe von Melsungen

 

Und noch zwei interessante Ergebnisse brachte der Einsatz der Spürhunde und die Analysen des Senckenberg-Instituts zu Tage: Zwei der im Januar gefundenen Kotproben stammen von einem Kuder, von dem Spürhündin Nara bereits im März 2016 (ebenfalls in der Söhre) genetisches Material erschnüffelt hatte. Diese Proben können wir also mit großer Wahrscheinlichkeit Felux zuordnen. Die dritte Probe stammt dagegen von einem Kuder, der letztmalig im April 2016 im Harz genetisch nachgewiesen wurde. Dieser Kuder (mutmaßlich Yuki) ist nachweislich der dritte Luchs, der aus dem Harz nach Nordhessen eingewandert ist.

Erholt sich der Bestand des Luchses in Nordhessen?

November 2016

Im letzten Winter (2015/16) war der Bestand der Luchse in unserem Untersuchungsgebiet leider stark zurückgegangen. Zeitweise bekamen wir nur noch den Kuder Felux vor die Linsen unserer Fotofallen (siehe unten). Im Frühjahr 2016 lebten wahrscheinlich noch 2-3 Luchse in unserem Untersuchungsgebiet. Als mögliche Ursache für den Rückgang der nordhessischen Luchspopulation vermuten wir eine Erkrankung der Tiere an der Fuchsräude.

Um zu ergründen, ob sich der Bestand der Luchse inzwischen erholt hat, setzen wir auch in diesem Winter unser Fotofallen-Monitoring fort. Wie schon im Vorjahr haben wir 80 Kameras an 40 Standorten auf den Flächen der hessischen Forstämter Hess. Lichtenau, Melsungen und Wehretal im Einsatz. Die Kameras bleiben voraussichtlich bis Anfang April im Feld und werden etwa alle vier Wochen von unseren haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern kontrolliert.

Bei einer frühen Kontrolle der von ihm betreuten Fotofallen konnte Luchsscout Gerhard Schuster den Kuder Felux auch bereits zweimal auf den Fotos entdecken. Beide Aufnahmen entstanden am Meißner, einem Gebiet in dem Felux bislang nur selten fotografiert wurde.

Kuder Felux im Oktober 2016 am Meißner
Hundeführerin Elena Jeß mit Spürhündin Nara

Spürhunde im Einsatz

Neben den Fotofallen setzen wir in diesem Jahr erstmals auch zwei Spürhunde zur Erfassung des Luchsbestandes ein. Die Hunde sind darauf trainiert, Luchs-Kot im Gelände aufzuspüren. Diese Methode liefert uns wertvolle zusätzliche Informationen über die nordhessischen Luchse, da es uns die aus den Kotproben extrahierte DNA ermöglichen wird, ein genetisches Profil der Tiere zu erstellen. So lassen sich beispielsweise Herkunft und Verwandtschaftsgrad der nordhessischen Luchse bestimmen. Der Hundeeinsatz wird von Christoph Hartl (SniffX Detection Dogs) in Zusammenarbeit mit Hundeführerin Elena Jeß koordiniert.

 

Antje Henkelmann erhält Promotionsstipendium der Heinrich-Böll-Stiftung

Seit November 2016 hat das Luchsprojekt eine hauptamtliche Mitarbeiterin: Antje Henkelmann, die bislang unser Schulprojekt betreute, hat ein Promotionsstipendium der Heinrich-Böll-Stiftung erhalten. Die Forstwissenschaftlerin wird die weitere Bestandsentwicklung der Luchse im Rahmen ihrer Doktorarbeit untersuchen.

Luchsbestand im Untersuchungsgebiet geht zurück

Inzwischen liegen die Ergebnisse der zweiten Untersuchungsperiode (November 2015 bis April 2016) vor. Bis Anfang April sind uns insgesamt 75 Aufnahmen von Luchsen im Untersuchungsgebiet gelungen. Auf 61 dieser 75 Fotos konnten wir einzelne Luchse anhand ihrer Fellmuster identifizieren. Eigentlich ein gutes Ergebnis. Doch zeigte der Abgleich der Fellmuster, dass auf den Fotos zumeist nur Kuder Felux zu sehen war (58 Aufnahmen). Drei der aus dem Vorjahr bekannten adulten Luchse konnten wir hingegen nicht mehr nachweisen.

Die von Mitarbeitern des Nationalparks Harz besenderte Luchsin F7 war bereits zu Beginn unserer Untersuchung (Anfang November 2015) an der Fuchsräude verendet. Allerdings konnten wir auch zwei weitere, vermutlich residente Luchse (Laxy und Braunie) nicht mehr nachweisen. Da geschlechtsreife Luchse in der Regel standorttreu sind, liegt die Vermutung nahe, dass auch diese beiden Tiere verendet sind.

Von dem am Hohen Meißner beheimateten Luchs Kuno konnten wir im November noch zwei Aufnahmen machen, dann verschwand jedoch auch dieses Tier vor unseren Kameras. Allerdings tappte Kuno bereits im Januar 2016 in eine Fotofalle im Harz. Damit ist Kuno der nachweislich erste Luchs, der aus Nordhessen in den Harz gewandert ist. Das Luchsvorkommen im Harz ist der wahrscheinliche Ursprung der nordhessischen Teilpopulation.

Mit dem Tod F7s, dem Verschwinden Laxys und Braunies, und der Abwanderung Kunos ist das ohnehin kleine Luchsvorkommen im hessisch-niedersächsischen Grenzbereich noch einmal deutlich geschrumpft. Allerdings konnte Ende März auch ein neuer, bis dahin unbekannter Luchs fotografiert werden, dem die Schülerinnen und Schüler der Reformschule Kassel den Namen „Pou“ gegeben haben. Der Standort der Fotofalle, die Pou aufgenommen hat, liegt übrigens im Zentrum von F7s früheren Streifgebiet. Damit besteht die Hoffnung, dass vakant gewordene Territorien durch zuwandernde Luchse neu besetzt werden.

Pou im März 2016 im Kaufunger Wald (nahe Helsa)

Ein Wolf in der Söhre

Anfang März 2016 gelang im Rahmen unseres Projektes der erste Nachweis eines lebenden Wolfes in Hessen seit 2011. Der Wolf wurde am 03. März 2016 von einer Kamera nahe der Ortschaft Wellerode aufgenommen. 

Nur sechs Tage später, am 09. März 2016 fotografierten unsere Kameras bei Witzenhausen-Hubenrode erneut einen Wolf. Die beiden Standorte liegen 21 km voneinander entfernt. Da diese Strecke von einem Wolf leicht innerhalb eines Tages zurückgelegt werden kann, und die Fotos nur sechs Tage auseinander liegen, liegt die Vermutung nahe, dass es sich auf beiden Fotos um denselben Wolf handelt. Da wir unsere Kameras Anfang April vorerst abgebaut haben, können wir derzeit nicht sagen, ob sich der Wolf noch immer in unserem Untersuchungsgebiet aufhält.

Mit freundlicher Genehmigung:  Background picture by "Manfred Eberle".