Die Hessenluchse

In einer ersten Phase unserer Untersuchung von November 2014 bis Oktober 2015 konnten wir insgesamt sechs unabhängige Luchse in unserem Untersuchungsgebiet nachweisen. Leider tauchten im Winter 2015/16 vier dieser sechs Luchse nicht mehr auf unseren Aufnahmen auf. Ein weiterer Luchs wanderte zum Jahreswechsel 2015/16 in den Harz ab. Derzeit wird das Untersuchungsgebiet in Nordhessen nur noch von zwei residenten Luchsen besiedelt. Alle bislang in Nordhessen nachgewiesenen Luchse möchten wir Ihnen nachfolgend vorstellen:

Felux

Felux im April 2016 nahe Hirschhagen

Felux wurde erstmals am 04. November 2014 in der Nähe von Hess. Lichtenau fotografiert. Seither ist uns Felux viele weitere Male in die Fotofalle getappt. Sein Streifgebiet erstreckt sich über die Söhre, den Melsunger Riedforst, den Meißner sowie große Teile des Kaufunger Waldes (siehe Karte der Streifgebiete am Ende der Seite). Bis in den Sommer 2015 überlappte es deutlich mit den Streifgebieten dreier anderer Luchse (Laxy, Braunie und F7). Die Größe und räumliche Organisation von Felux' Streifgebiet ließen uns schon früh vermuten, dass es sich bei Felux um ein Männchen handelt. Diese Vermutung wurde im April 2015 bestätigt, als auf einem Foto die Hoden unterhalb des gehobenen Schwanzes sichtbar wurden. Felux erhielt seinen Namen von Schülerinnen und Schülern der Anne-Frank-Schule Eschwege.

Yuki

Yuki im Mai 2017 nahe Cornberg

Yuki konnten wir erstmals im Oktober 2016 in der Nähe von Hess. Lichtenau nachweisen. Im folgenden Winter tappte uns Yuki noch viele weitere Male in die Fotofalle, wobei er sich zunächst überwiegend in der Gegend um Spangenberg aufhielt. Inzwischen können wir mir sehr hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass es sich bei Yuki um einen aus dem Harz zugewanderten jungen Kuder handelt, der noch im Frühjahr 2016 im Streifgebiet seiner Mutter im Harz lebte. Dies legt einerseits ein Fotoabgleich mit einem im Harz fotografierten Jungtier nahe, andererseits ein identisches genetisches Profil des vermutlich selben harzer Jungtiers mit einer in Yukis Streifgebiet gefundenen Kotprobe. Inzwischen hat Yuki ein Streifgebiet etabliert, dass sich südlich von Felux' Streifgebiet befindet und etwa von Melsungen im Nordwesten bis Wildeck im Südosten reicht. Yuki erhielt seinen Namen von den Schülerinnen und Schülern der Burgsitzschule Spangenberg.

Kuno

Kuno im April 2015 nahe Hilgershausen

Kuno wurde erstmals am 24. März 2015 in der Nähe von Wickersrode fotografiert, und hielt sind in den folgenden Monaten überwiegend am Meißner, aber auch im östlichen Kaufunger Wald auf. In Nordhessen wurde Kuno zuletzt am 25. November 2015 fotografiert. Etwa zwei Monate später tauchte er in einer Fotofalle im Harz auf, und wird seither regelmäßig von den Fotofallen des Luchsprojektes Harz fotografiert. Damit ist Kuno der nachweislich erste Luchs, der von Nordhessen in den Harz gewandert ist. Die Gründe für Kunos Abwanderung sind nicht bekannt. Möglich ist dass Kuno den Norden Hessens nach dem Verschwinden aller uns bekannten weiblichen Luchse (F7, Braunie und Laxy) auf der Suche nach Fortpflanzungspartnern verlassen hat. Kuno erhielt seinen Namen von Schülerinnen und Schülern der Burgsitzschule Spangenberg.

Pou

Der Kuder Pou hat unser Untersuchungsgebiet im Norden Hessens wahrscheinlich nur kurz durchquert. Er tauchte im März 2016 nur zwei Mal in unseren Fotofallen auf (einmal in der Söhre, einmal im Kaufunger Wald). Nur drei Tage nach dem letzten Foto wurde Pou in der Nähe von Hedemünden (Niedersachsen) von Mitarbeitern des Nationalparks Harz in einer Kastenfalle gefangen und mit einem Halsbandsender ausgestattet. In der Folgezeit ist Pou unter dem Zweitnamen M9 weiter nach Norden gezogen und hat inzwischen in der Nähe von Katlenburg-Lindau nördlich von Göttingen ein eigenes Streifgebiet etabliert. Obwohl wir bislang nichts über die genaue Herkunft Pous wissen, hat sich Pou zumindest zeitweise in Hessen aufgehalten und könnte nach Kuno bereits der zweite Luchs sein, der von Hessen in den Harz gewandert ist. Pou erhielt seinen Namen von Schülerinnen und Schülern der Reformschule Kassel.

Laxy

Laxy im April 2016 nahe Wickersrode

Laxy wurde erstmals am 10. November 2014 in der Nähe von Hess. Lichtenau fotografiert. In der Folgezeit war Laxy auf vielen unserer Aufnahmen zu sehen, letztmalig jedoch Ende April 2015. Laxys Streifgebiet lag überwiegend im Melsunger Riedforst und entlang der Günsteröder Höhe. Es überlappte stark mit dem Streifgebiet des Kuders Felux. Seit Mai 2015 ist Laxy auf keinem unserer Fotos mehr zu sehen. Wir müssen daher davon ausgehen, dass Laxy inzwischen verstorben ist. Laxy erhielt ihren Namen von Schülerinnen und Schülern der Anne-Frank-Schule Eschwege.

F7

Die Luchsin F7 konnte bereits im Oktober 2014 während der Testphase unserer Untersuchung erstmals fotografiert werden. Im Februar 2015 gelang es Mitarbeitern des Nationalparks Harz, das Tier im niedersächsischen Teil des Kaufunger Waldes einzufangen, und mit einem Halsbandsender auszustatten. Der GPS-Sender erlaubt eine sehr viel engmaschigere Überwachung des Tieres, als dies mit unseren Fotofallen möglich ist. Anfang Juni 2016 konnten Mitarbeiter des Nationalparks Harz so auch das Geheck (die Jungtiere) der Luchsin F7 in einer Wurfhöhle im Kaufunger Wald (nahe Helsa) ausfindig machen. Im November 2015 musste F7 eingeschläfert werden. Die Luchsin war, bedingt durch einen starken Räudebefall, in einem stark abgemagerten, geschwächten Zustand aufgefunden worden. Wir müssen befürchten, dass auch die Jungtiere F7s an der Räude verendet sind.

Braunie

Braunie im Dezember 2014 nahe Wattenbach

Braunie wurde erstmals am 02. Dezember 2014 in der Söhre (nahe Wattenbach) fotografiert, letztmalig bereits am 31.12.2014. Allerdings konnten wir Braunie auch auf einer schon im März 2014 am Ortsrand von St. Ottilien entstandenen Zufallsaufnahme identifizieren. Daher gehen wir davon aus, dass es sich bei Braunie um ein residentes (standorttreues) Tier gehandelt hat. Braunies Streifgebiet dürfte überwiegend in der Söhre gelegen haben, und überlappte stark mit dem Streifgebiet des Kuders Felux. Trotz des verstärkten Einsatzes von Fotofallen in diesem Gebiet im Winter 2015/ 16 konnten wir Braunie dort aber nicht mehr nachweisen. Braunie erhielt ihren Namen von Schülerinnen und Schülern der Frau-Holle-Schule Abterode.

Alex

Alex im Juni 2015 nahe Laudenbach

Alex wurde nur einmal von uns fotografiert: Im Juni 2015 in der Nähe von Laudenbach. Auf dem Foto wirkt Alex subadult (also noch nicht ganz ausgewachsen). Luchse dieses Alters haben ihre Heimat-Territorien in der Regel bereits verlassen, und streifen auf der Suche nach einem eigenen Territorium umher. Es ist also gut möglich, dass Alex unser Untersuchungsgebiet bereits kurz nach dem im Juni entstandenen Fotos wieder verlassen hat. Alex erhielt seinen/ ihren Namen von Schülerinnen und Schülern der Schule Am Wall (Kassel).

Streifgebiete der Hessenluchse

Streifgebiete der Kuder Felux (gelb) und Yuki (blau) basierend auf den Aufnahmen der Fotofallen. Das weiße Polygon bezeichnet unser Untersuchungsgebiet. Stand: März 2017. Die Datenpunkte im niedersächsischen Teil des Kaufunger Waldes wurden freundlicherweise vom Luchsprojekt Harz zur Verfügung gestellt.
Streifgebiete der Hessenluchse (außer Alex), basierend auf den Aufnahmen der Fotofallen. Farbige Punkte markieren Orte, an denen die Tiere fotografiert wurden: Gelb: Felux, rot: Laxy, blau: Kuno, braun: Braunie, violett: F7 / Pou. Stand Juli 2015.
Mit freundlicher Genehmigung:  Background picture by "Manfred Eberle".